Was die Klimakrise für uns Deutsche bedeutet

1990 war ich 12 Jahre alt, die Mauer war gerade gefallen. Das ist ewig lange her – und was ist seither nicht alles passiert: Die erste weibliche deutsche Kanzlerin, Atomausstieg, Strom aus Solarenergie, Smartphones, Facebook und Twitter, Digitalisierung…

1990 ist ewig her und doch fühlt es sich oft noch sehr nah an. 2050 ist das Jahr bis die EU klimaneutral sein möchte – sein muss. Klingt total weit weg, oder? Es sind aber nur noch 29 Jahre – etwa solange wie 1990 her ist.

Mit-Piqer Nick Reimer hat gemeinsam mit dem Journalisten Toralf Staud ein Buch geschrieben, mit dem sie diese ferne und abstrakte Zukunft nah heranholen: "Deutschland 2050" erzählt, wie der Klimawandel unser Leben und unseren deutschen Alltag verändern wird.

Ich habe einen Talk mit Nick gepiqd, in dem er anschaulich erklärt, warum Toralf Staud und er das Buch schrieben haben. Es ging ihnen darum, die psychologische Distanz zum Klimawandel überbücken. „Mit mir hat das eigentlich nichts zu tun“ sei immer noch das vorherrschende Gefühl bei vielen Menschen, wenn sie über Klimawandel nachdenken. Unsere Entscheidung heute werden das Leben ab 2050 aber enorm beeinflussen. Diese Distanz können wir uns, aber vor allem für die nachfolgenden Generationen nicht leisten.

Nick sagt, ein Grund für diese psychologische Distanz sei Wissenschaftssprache. Ihm sei es darum gegangen, Sprache so zu übersetzen, dass auch „normale Menschen“ sie verstehen.

Moderatorin Marija Bakker: Ich habe die Sehnsucht rausgehört, dass mal jemand sagt „Leute, die Hütte brennt“.

Nick Reimer: „Ich glaube, das macht die Wissenschaft. Ständig sogar. Aber sie macht das eben in ihrer Sprache. Die wird von Politik oder Wählern bisweilen nicht verstanden.

Was also gilt es zu verstehen?

Nick Reimer: „Wir werden unser schönes gemäßigtes Leben so nicht wieder finden. Es wird unruhiger. Das was wir als Erfahrungswissen haben - zum Beispiel „Bauernregeln“ - werden keinen Bestand mehr haben.

Dinge, die heute für uns selbstverständlich sind, wie jederzeit Zugang zu Wasser könnte nicht mehr selbstverständlich sein. Baden in der Ostsee? Vielleicht lieber nicht. Im Sommer könnte sie von lebensgefährlichen Vibrio-Bakterien bevölkert sein.

Fazit: Ein interessantes, unangenehmes und aufrüttelndes Buch in klarer Sprache und ein interessantes Gespräch zwischen Nick und Moderatorin Marija Bakker.

Daniela Becker: piqd 

HAM 20-21:

 

„Deutschland 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ Aprikosen aus Hamburg, Kühlräume für Berlin und Hochleistungskühe im Hitzestress. Spätestens die Hitzesommer 2018 und 2019 sowie die auch 2020 anhaltende Trockenheit haben es deutlich gemacht: Der menschengemachte Klimawandel ist keine Bedrohung für die ferne Zukunft ferner Länder, der Klimawandel findet statt – hier und jetzt. Doch welche konkreten Auswirkungen wird er auf unser aller Leben in Deutschland haben? Selbst wenn es Deutschland und der Welt gelingen sollte, den Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten drastisch zu reduzieren – bereits jetzt steht fest: Das Klima in Deutschland verändert sich. Im Jahr 2050 wird es bei uns im Durchschnitt mindestens zwei Grad Celsius wärmer sein. Was sind die praktischen Konsequenzen dieses Temperaturanstiegs? Wie wird unser Leben in Deutschland in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konkret aussehen, wenn es immer heißer, trockener und stürmischer wird? Welche Anpassungen werden nötig und möglich sein? In ihrem neuen Buch geben die Autoren Nick Reimer und Toralf Staud konkrete Antworten auf die Frage, wie der Klimawandel uns in Deutschland treffen wird. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungsfeldern schildern sie, wie wir in dreißig Jahren arbeiten, essen, wirtschaften und Urlaub machen. Welche neuen Krankheiten uns zu schaffen machen. Wie sich unsere Landschaft, unsere Wälder, unsere Städte verändern. Entstanden ist eine aufrüttelnde Zeitreise in die Zukunft: Selbst, wenn wir den Klimawandel noch bremsen können, wird sich unser Land tiefgreifend verändern. Ohne verstärkten Klimaschutz jedoch wird Deutschland 2050 nicht wiederzuerkennen sein. Nick Reimer, geboren 1966, studierte Energieverfahrenstechnik, volontierte bei der Berliner Zeitung und war 2000 bis 2011 Wirtschaftsredakteur bei der taz. Seitdem schreibt er u.a. für Zeit online über Klima- und Umweltthemen. Für den Blog Klima-Lügendetektor.de erhielt er 2012 den Otto-Brenner-Preis. Seit 2014 hat er einen Lehrauftrag für Nachhaltigkeit und Journalismus an der Universität Lüneburg. Marija Bakker, Jahrgang 1972, freie Journalistin. Moderiert unter anderem die Wissenschaftssendung „Quarks“ (früher Leonardo) und das Literaturmagazin „Bücher“ auf WDR 5. Beschäftigt sich – nicht nur beruflich - mit den Themen Nachhaltigkeit, Klima, Mobilitätswende. Lebt in Köln. »Das Projekt wurde gefördert im Rahmen von ›Neustart Kultur‹ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.« Thumbnail: Cover ©KiWi, Nick Reimer ©Joachim Gern, Marija Bakker ©WDR 

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