...keine Sanktionen gegen NordStream2 ?!
...keine Sanktionen gegen NordStream2 ?!

Geopolitische Rohrbrüche

Was hinter dem internationalen Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 steckt

In der starren Debatte über die Nord-Stream-2-Pipeline fokussierte sich die Standardkritik an dem Projekt bisher auf das Problem der europäischen „Abhängigkeit“ von russischen Gaslieferungen. Pipelines schaffen langfristige Verpflichtungen: Ist es also klug, das Angewiesensein auf den russischen Staat in Sachen Energie noch zu erhöhen? Im vorherrschenden politischen Klima einer hysterischen Russophobie wird Nord Stream 2 häufig als direkte Kollaboration mit Wladimir Putin aufgefasst, der angeblich an der Spitze eines wieder auflebenden regionalen Imperiums stehe. Die Realitäten in Russland im Jahr 2021– in dem Öl- und Gasverkäufe 60 Prozent der Exporte und 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen – zeigen jedoch ein anderes Bild. Weit davon entfernt, ein erneut zum Leben erwecktes Reich des Bösen zu sein, ist Russland faktisch zu einem Dritte-Welt-Modell einer Geheimdienst-Aristokratie zurückgekehrt, die sich durch den Verkauf von natürlichen Ressourcen finanziert. Russlands Rolle als Gaslieferant für Europa stellt keinen strategischen Hebel bereit, wie ihn etwa die Vereinigten Staaten mit der Kontrolle über die Lieferungen von kohlenwasserstoffbasierten Ressourcen aus dem Persischen Golf nach Ostasien besitzen, denn Russland ist weitaus mehr auf die Einnahmen aus dem Energieverkauf angewiesen als umgekehrt Europa auf die Lieferung russischen Gases.

Tom Stevenson  ist Journalist
entnommen aus der Hauptstadtbrief vom 30.01.2021

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