Sommer der Illusionen:                  Die Normalität nach der Coronakrise ist noch weit entfernt...

Foto: dpa  Artikel: Jürgen Klöckner / Handelsblatt Deutschland macht auf. Gastwirte stellen Tische und Bänke nach draußen, Hoteliers nehmen Reservierungen entgegen – und Händler empfangen wieder Kunden. Das ist erst mal gut so: Die sinkenden Fallzahlen und die steigende Impfquote legitimieren Lockerungen.

Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass bald wieder alles normal ist. Diesen Eindruck könnte man bei den teilweise im Akkord aufgestellten Öffnungsplänen der Länder gewinnen. Bis zur Normalität ist es aber noch ein verdammt weiter Weg.

Zum einen, weil schon dieser Flickenteppich an Regeln, der jetzt entsteht, jeder Normalität entbehrt. Die Bundes-Notbremse hatte uns gerade daran gewöhnt, dass in allen Ecken der Republik die gleichen Lockdown Regeln gelten. Die Öffnungspläne schreibt aber jedes Bundesland für sich – auch im Wettbewerb untereinander. Es wäre ein Anfang, wenn sich die Länder abstimmen würden – oder der Bund gar einheitliche Regeln festlegt. Dies würde allen Sicherheit verschaffen und auch der Bevölkerung das Signal geben, dass der Weg aus dem Lockdown geordnet verläuft.

Noch zu früh, um das Virus zu vergessen

Es ist auch deswegen ein weiter Weg, weil die Pandemie nicht ausgestanden ist. So groß die Sehnsucht nach einem möglichst befreiten Sommer ist: Die Fallzahlen sind nach wie vor hoch, die Gefahr der Mutanten besteht noch. Es ist nicht nur zu früh, das Virus zu vergessen, sondern sogar gefährlich.

Die Erfolge durch die Corona-Notbremse wären dahin, wenn sich niemand mehr an die Regeln hält. Die private Vorsicht ist nach wie vor eine der wichtigsten Maßnahmen in der Pandemiebekämpfung – auch im Biergarten und am Strand. Die Maßnahmen können erst dann nahezu vollständig aufgehoben werden, wenn ein Großteil der Bevölkerung immun ist.

Nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung sind derzeit allerdings vollständig geimpft. Kinder und Jugendliche sollen erst im Sommer ein Impfangebot erhalten.

Und bis jeder seinen vollen Impfschutz hat, dauert es laut Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung noch mindestens bis Mitte September.

Corona-Auflagen werden noch lange zum Alltag gehören

Das bedeutet auch: Die Auflagen, unter denen jetzt geöffnet wird, werden noch lange alltäglich sein. Es wird viel Zeit brauchen, bis wir ohne einen Termin einkaufen gehen können. Auch die Maske wird noch lange Teil des Alltags sein.

Vor die Tür gehen ohne einen Impf- oder Genesenennachweis? Bald undenkbar. Die Dokumente sind die Eintrittskarte für Hotels, Restaurants und etwa Museen. Und alle anderen gewöhnen sich besser an das Gefühl, Tupfer in die Nase oder den Rachen gerammt zu bekommen.

Der Corona-Schnelltest wird für sie so alltäglich wie das morgendliche Zähneputzen. Auch das ist ein Grund, warum es eine ganze Weile dauern wird, bis die Normalität zurückkehrt

HAM 06/21

Petra Henkert                                                                                                 Diplom Lateinamerikawissenschaftlerin - Vicepräsidentin Entwicklung, Umwelt                                                                        und Gesellschaft EUG e.V. Hamburg

Wieder so eine Änderung des Infektionsschutz Gesetzes mal so nebenbei und auf die Schnelle und weitere Eingriffe in die Demokratie und in unsere Leben? Im Ernst? Oder auch "nur" wieder eine "Verschwörungstheorie"? Gibt es nicht langsam bessere Pläne, Möglichkeiten, mit diesem Virus umzugehen, der nur einer ist neben vielen anderen gefährlichen Viren und Krankheiten.

Ich würde lieber lesen, dass Bundestag/Politiker konkrete Ideen und Maßnahmen entwickeln und verabschieden, um Risikogruppen, die nicht nur durch den Corona-Virus gefährdet werden, zu stärken, entstandene "Kollateral-Schäden" zu thematisieren und aufzufangen, von Angst-und Panikmache wegzukommen, das Einsetzen interdisziplinärer Arbeitsgruppen oder eines "Runden Tisches", um das Thema in seiner gesamtgesellschaftlichen Breite zu beraten, konstruktive und kritische Einwände und Erkenntnisse anzuhören und aufzunehmen...

Ich sorge mich weiterhin um die älteren Menschen, um psychisch kranke und behinderte Menschen, um die Opfer häuslicher und sexueller Gewalt, um Obdachlose, Prostituierte, unsere Kinder...

Hat sich etwas in unseren Alten- und Pflegeheimen in den vergangenen Monaten getan? Ist der Beruf des Altenpfleger/in attraktiver geworden? Ist das Krankenpflege - Personal weiterhin überlastet und nicht gut bezahlt?

Werden wir ausreichend Psychologen oder entsprechend geschultes Personal haben?

Was machten Distanzunterricht; Masken und Tests mit unseren Kindern?

Ich sorge mich auch um die "Zeit danach": Denken wir schon daran, wie und mit welchen Ressourcen, personellen und finanziellen Mitteln wir wieder "gesunden" werden? Die Wirtschaft, die Kunst und Kultur, Bildung, das öffentliche Leben, unsere Psyche?

Ich wünsche mir mehr Toleranz, Respekt, offene Diskussionen, Evidenz-basiertes Handeln, gesunden Menschenverstand. 04-2021

Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger, weiterhin sehr vorsichtig zu sein. Wir riskieren alle Fortschritte und auch die erreichten Öffnungen, wenn die Infektionszahlen wieder ansteigen

Quelle: picture alliance / dpa Themendienst

...wir schaffen es!

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