Eine geteilte Welt

Es brennt in vielen Teilen der Welt, in denen Corona weitaus größere wirtschaftliche Folgen hinterlassen wird als im reichen Westen. In Tunesien könnte gerade die junge Demokratie unter den Lasten einer schweren Wirtschaftskrise zerbrechen. In Südafrika gehen die Menschen aus Angst vor sozialem Abstieg auf die Straße – und plündern ganze Warenhäuser. In Kolumbien schießen Polizisten und von Reichen angeheuerte Söldner auf verzweifelte Demonstrantinnen und Demonstranten, die nicht mehr wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Und selbst in Thailand – einem Land, das politische Konflikte eigentlich niemals öffentlich austrägt – gibt es Massenproteste.

 

Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Pandemie alle Anstrengungen der vergangenen Jahrzehnte um den Ausgleich zwischen Arm und Reich wieder zunichtemachen wird. In Teilen Afrikas und Lateinamerika herrscht die blanke Not. Es mangelt an Jobs und an Impfstoff zugleich. Mehr als drei Viertel der Geimpften weltweit gehören zur wohlhabenderen Hälfte der Weltbevölkerung.

 

Zugleich hingen die Konjunkturaussichten vieler Staaten inzwischen von deren Zugang zu Corona-Impfstoffen ab, schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner gestern vorgelegten Prognose für die Weltwirtschaft. Das heißt: Der wirtschaftliche Abstieg in den armen Ländern geht ungebremst weiter, zugleich aber wird sich die Weltwirtschaft insgesamt dank eines starken Wachstums in den Industrieländern im kommenden Jahr von den Corona-Folgen deutlich erholen.

Für den globalen Norden, also auch für Deutschland, sind die wirtschaftlichen Aussichten gut. Die Experten sagen deutliche Wachstumsraten voraus. Und doch hat die Entwicklung auch bei uns eigene Risiken. Viele Rohstoffpreise sind in der Pandemie zum Teil extrem gestiegen, weil die Förderung nicht so schnell wieder in Gang kam wie die Nachfrage. Bodenschätze werden knapp in einer Industrie, die gerade auf den Umbau setzt. „Viele Branchen stecken im gleichen Dilemma wie die Autobauer. Sie entwickeln Technologien für die Zukunft, für Klimaschutz und Digitalisierung, entwerfen Visionen von himmelblauer Reinheit – und brauchen dafür Stoffe wie Grafit, Kobalt oder Lithium. Archaisch, schmutzig, begrenzt verfügbar“, schreibt der Wirtschaftsautor Stefan Winter in einem Rohstoffreport.

 

eingestellt von HAM - 30.07.2021

Urlaubsimpressionen

Sollen künftig wieder alle Urlauberinnen und Urlauber bei Rückkehr nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorlegen müssen?                                               © Quelle: picture alliance/dpa

 

Und so hat die Welt in diesem Sommer ganz unterschiedliche Sorgen. Bei den politischen Debatten in Deutschland dreht sich gerade wieder einmal alles um das Reisen – und die Deutschen fühlen sich doch sehr an den Sommer vor einem Jahr erinnert. Tests für Urlaubsrückkehrer? Hatten wir das Thema nicht schon einmal – und vor allem: Waren wir nicht schon einmal weiter? Oder sollen die Fehler vom vergangenen Jahr wiederholt werden?

 

eingestellt HAM 30.07.2021

Druckversion Druckversion | Sitemap
© HAM

Diese Homepage wurde mit 1&1 IONOS MyWebsite erstellt.