...keine Sanktionen gegen NordStream2 ?!
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Frank Snowden:"Ein Trost"

Alle Pandemien enden irgendwann,
sagt der Historiker und emeritierte Yale-Professor Frank Snowden. Nur wie?
Interview: 

 

DIE ZEIT: Professor Snowden, das Virus ist immer noch nicht besiegt, und nun tauchen auch noch bedrohliche Mutationen auf. Was lehrt uns die Geschichte darüber, wie Pandemien enden?

Frank Snowden: Alle Pandemien sind endlich, das ist ein Trost. Aber jede geht auf ihre eigene Weise zu Ende. Die Spanische Grippe etwa wurde vom Ersten Weltkrieg befeuert, deshalb endete sie 1918. Bei Covid-19 gibt es keinen derartigen Treiber. Wie die Pandemie endet, hängt davon ab, wie gut wir die Ressourcen nutzen, die wir zu ihrer Bekämpfung haben. Eine weitere Lehre aus der Geschichte ist, dass keine einzelne Wunderwaffe das Problem lösen kann. Wir brauchen Impfstoffe, aber wir sollten nicht alle Hoffnungen auf sie setzen.

ZEIT: Worauf sonst?

Snowden: Wir wissen, dass Maßnahmen wie Abstandhalten und Maskentragen dazu beitragen können, die Verbreitung und Veränderung des Virus zu verlangsamen. Aber wir wollen nicht einsehen, dass diese Maßnahmen konsequent und über einen längeren Zeitraum hinweg angewendet werden müssen.

ZEIT: Wir wissen also mehr als frühere Generationen – und doch gelingt es uns nicht, mit dem Virus fertigzuwerden. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Snowden: Das ist wirklich ein Paradox. Ich denke, es hat mit der Einstellung vieler Leute zu tun, mit einer mangelnden Bereitschaft, die Wissenschaft ernst zu nehmen.

ZEIT: Manche Ihrer Berufskollegen vergleichen die Corona-Pandemie mit einem Weltkrieg. Zu Recht?

Snowden: Ich bin kein Fan solcher Vergleiche. Die Kriegsmetapher signalisiert, dass es sich um eine schwere Krise handelt, die viele Menschenleben kostet und zu wirtschaftlichen und sozialen Turbulenzen führt. Aber auch, dass es zwei Seiten gibt. Und sie blendet aus, dass wir vor allem die Wissenschaft sowie nationale und internationale Zusammenarbeit brauchen, um diese Krise zu bewältigen.

ZEIT: Sie sagen, dass alle Epidemien den Gesellschaften, in denen sie auftreten, einen Spiegel vorhalten. Wie meinen Sie das?

Snowden: Jede Gesellschaft hat spezifische Schwachstellen, die von unterschiedlichen Mikroben ausgenutzt werden können. Die Cholera fand während der industriellen Revolution geradezu perfekte Bedingungen für ihre Ausbreitung vor: überfüllte Städte ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Abwassersystem. Die Menschen lebten unter fürchterlichen hygienischen Bedingungen zusammen. Cholera wird über Fäkalien und durch verunreinigtes Wasser oder Essen übertragen. Heute schaffen Globalisierung und Flugverkehr ideale Voraussetzungen für andere Mikroben.

ZEIT: Was sehen Sie in dem Spiegel, den uns das Coronavirus vorhält?

Snowden: Lassen Sie mich mit einem Beispiel antworten. Die Lombardei wurde nach Wuhan zum zweiten Epizentrum. Warum? Weil die Regionen aufs Engste miteinander verbunden waren. China und Italien hatten ein massives Austausch- und Investitionsprogramm beschlossen, Mailand hoffte auf drei Millionen chinesische Touristen im Jahr, auf einmal gab es sechs Flüge pro Tag von Mailand nach China. So kam eben auch das Virus gleich nach Mailand. Globalisierung bedeutet aber oft auch wirtschaftliche Aktivitäten, die zur Zerstörung der Umwelt führen. Mailand ist ein industrielles Zentrum und eine der am meisten unter Smog leidenden Städte der Welt. Deshalb sind die Menschen dort besonders anfällig für virale Lungenkrankheiten. Zudem ist die Lombardei die am dichtesten besiedelte Region Italiens. Wegen Beispielen wie diesem bezeichne ich Covid-19 als erste Pandemie der Globalisierung.

 

 

 

 

 

 

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